Jahreskonzert der Stadtmusik

Kämpfen bis zum Sieg – wie Boxen und Blasmusik zusammenpassen, zeigte die Stadtmusik Neuenburg bei ihrem Jahreskonzert.

NEUENBURG. Musik und Boxkampf gingen beim Jahreskonzert der Stadtmusik Neuenburg eine klangvolle Verbindung miteinander ein. Große Boxer stehen im Ring immer wieder auf und kämpfen weiter bis zum Sieg. Auch das 30 Musiker starke Blasorchester mit seinem Dirigenten Gregor Heinrich stellte sich der Herausforderung, erfahrene langjährige Stadtmusiker und eine große Zahl junger Spieler zum homogenen Klangkörper zusammen zu schweißen. Die Freude an der Musik überwand alle Schwierigkeiten.

Insbesondere in der zweiten Konzerthälfte überzeugte das Orchester durch tänzerische Leichtigkeit und schönen Gesamtklang – so, wie Filmboxer Rocky Balboa nach langem Training zum Hit „Gonna fly now“ wie beflügelt durch die Straßen rennt. Mit diesem Hit, eröffnet durch helle Fanfaren, begann das Medley „Rocky on Broadway“. Die Musiker widmeten sich dem dynamisch-hoffnungsvollen Thema erst voller Elan, dann nach kurzer Chimes-Überleitung sensibel und verhalten, mit feinen Klarinetten und sehr gutem Querflötensolo. Weich und tänzerisch ging es mit den Holzbläsern weiter in „Fight from the heart“, bis beim spannungsvollen „Eye of the tiger“ die Stunde des Siegers schlug – kräftiger Applaus inklusive.

Dazu passte die Hallendekoration mit Sandsäcken auf der Bühne und Plakaten berühmter Boxkämpfe und Boxer wie Muhammad Ali und Cassius Clay, die auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund zu sehen waren. Eröffnet wurde das Konzert durch Julius Fuciks kraftvoll umgesetzten Triumphmarsch „Einzug der Gladiatoren“. Es folgten zwei emotionale Klassiker, die durch sportliche Großereignisse zu Hits wurden: Mit Vangelis‘ aufrüttelndem „Conquest of Paradise“ lief Boxer Henry Maske bei der Weltmeisterschaft in den Ring ein, während Torhüter Oliver Kahn zu Lucio Quarantottos anrührend-opernhaftem „Time to say goodbye“ sein Abschlussspiel gab, von der Stadtmusik interpretiert mit durchlaufenden Schlagzeugrhythmen, schönem Crescendo und strahlendem Finale.

Vor der Pause stellten sich sechs junge Musiker der großen Herausforderung eines Auftritts vor großem Publikum. Wie Stadtmusikvorsitzender Daniel Terhardt sagte, seien viele Jungmusiker in die Reihen des Aktivorchesters aufgenommen worden, so habe sich das Jugendorchester nach den Sommerferien neu strukturiert. Unter Gregor Heinrichs Leitung präsentierte sich die junge Gruppe mit Kompositionen von Jacob de Haan und überzeugte mit gutem Rhythmusgefühl beim „Beat Blues“ – diesen gab es nach herzhaftem Applaus auch als Zugabe.

Sven van Calsters Titel „Facedown“ ist zugleich die Bezeichnung für den Moment, in dem ein Boxer auf die Bretter geschickt wird, wie Ansager Michael Steiert erklärte. Auf Solist Ewald Buchner traf das Facedown nicht zu – er stand aufrecht und setzte mit weichen Tenorhornläufen und effektvollen Zwiegesprächen mit den Querflöten warme Akzente. Auch Simon and Garfunkel ließen sich vom Boxkampf inspirieren. Das vorletzte Stück des Abends war ein Medley mit Hits des Duos. Es begann mit „Bridge over Troubled Water“, ging locker und beschwingt im Tanzmusikstil weiter mit dem rhythmusbetonten „Mrs. Robinson“ und strahlenden Trompeten, gefolgt vom lyrisch umgesetzten „Sound of Silence“, dessen Thema mit einer überraschenden Beschleunigung überleitete zum temporeichen „The Boxer“.

Nach diesem und dem Rocky-Medley wollte das Publikum im Stadthaussaal mehr und bekam auf immer größeren Applaus hin als erste Zugabe ein weich und gefühlvoll interpretiertes „Moment in Time“ und mit dem rasanten Marsch „Mein Heimatland“ eine gut gelaunte Erinnerung an den Ausflug der Stadtmusiker zum Chiemsee.

Quelle: Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
von: Silke Hartenstein

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